Biografie

Helene
    Stöcker

„Kann man das ändern?“
Helene Stöcker, um 1906

Geboren am 13. November 1869 in Elberfeld (Wuppertal)
Gestorben am 24. Februar 1943 in New York

„Die moderne Frau ist etwas, das noch nicht in dieses Jahrhundert hineingehört, für die es noch keinen Namen und keinen Mann gibt, keine Stellung in der Gesellschaft; denn ihrem ganzen, innersten Wesen nach gehört sie in ein Zeitalter der Zukunft – kurz, sie hat sich auf jeden Fall verfrüht.“
Helene Stöcker, 1893

Helene Stöcker ist in der Frauen- und Friedensbewegung eine der zentralen Personen. Als Vordenkerin setzte sie sich Anfang des 20. Jahrhunderts für die Öffnung aller Berufe für Frauen, die Anerkennung homosexueller Paare, die Abschaffung des §218, die Gleichstellung unehelicher Kinder, das Erziehungsgeld sowie eine aktive und verantwortungsbewusste Rolle der Väter ein. Dies sind Themen, die uns bis heute beschäftigen und immer noch Anlass für Diskussionen sind. Stöckers Engagement mündet in der Gründung des Verbands für Frauenstimmrecht (1902) sowie des Bundes für Mutterschutz und Sexualreform (1905). Letzterer errichtete in vielen deutschen Städten Häuser für ledige Mütter und ihre unehelichen Kinder – die Vorläufer heutiger Frauenhäuser.
Mit dem Ersten Weltkrieg wurde sie zur radikalen Pazifistin und Gründungsmitglied der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (1919) und – u. a. mit Armin T. Wegner – des Bundes der Kriegsdienstgegner(1919). Ihre internationalen Vernetzungen und Bemühungen führten 1921 zur Gründung der bis heute bestehenden War Resisters‘ International (Internationale der Kriegsdienstgegner).In den 1920er Jahren schließt sie sich zudem der Deutschen Liga für Menschenrechte und der Gruppe Revolutionärer Pazifisten an.

„Ein merkwürdiges Zeichen der geringen Selbstachtung des Menschen ist es, dass er es bisher sich hat gefallen lassen, von seinen Regierungen und herrschenden Klassen als Kanonenfutter, als Kriegsmaterial, das man dem Feind entgegen wirft, benutzt, missbraucht und zerstört zu werden.“
Helene Stöcker

Helene Stöcker war die erste Frau Deutschlands mit einem Doktortitel, den sie in der Schweiz erwarb und somit die männlich dominierten Universitäten Deutschlands unterlief. Ihre Philosophie der Liebe und einer gewaltfreien Ethik ohne Gott ist eine Synthese der Ideen Friedrichs Nietzsches und denen des Urchristentums. Auch als Schriftstellerin war sie erfolgreich; ihr Roman Liebe (1922) wurde zum Bestseller und vielfach übersetzt. Die von ihr herausgegebene Zeitschrift Die Neue Generation (1905 bis 1933) war ein bedeutendes Forum neuer Ideen für die Reform der Sexualität, Moralbegriffe, Sozialpolitik und modernen Kultur. Autoren waren u. a. Lola Landau, Armin T. Wegner, Kurt Tucholsky, Alexandra Kollontai und Bertha von Suttner. Bei all ihrem Engagement ist es daher nur folgerichtig, dass das Wohl der Tiere sie ebenso beschäftigte und sie daher aus ethischen Gründen Vegetarierin war.
1933 – auf dem Höhepunkt ihrer Karriere – übernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland. Da das von den Nazis propagierte Frauenbild im deutlichen Gegensatz zu Stöckers Ansichten und Arbeiten stand, blieb der 63-Jähringen nur die Flucht ins Exil. Nach einer Odyssee über die Tschechoslowakei, die Schweiz, England, Schweden, Russland und Japan fand sie schließlich in den U.S.A. Schutz vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Ins Ausland gerettet, wurden ihr die Reichszugehörigkeit sowie ihre Doktorwürde entzogen. Ihr Geld wurde beschlagnahmt und ihre Publikationen auf die sogenannte Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums gesetzt.

Veranstaltungen:
Sonntag / 5. Mai // 11 Uhr
Erinnern an die Zukunft – Eröffnung des Festivals
CityKirche

Sonntag / 5. Mai // ab 14 Uhr
Forum der Initiativen I
CityKirche

Donnerstag / 23. Mai // 19 Uhr
„Artgerecht ist nur die Freiheit”
Buchhandlung von Mackensen

Samstag / 25. Mai // ab 12 Uhr
Wuppertaler Töchter: Else-Helene-Fest
Laurentiusplatz

Montag / 27. Mai // 19 Uhr
“Intelligente Lösungen sind bunt”
Bergische VHS

Literatur (Auswahl):
Helene Stöcker: Die Liebe und die Frauen. Ein Manifest der Emanzipation von Frau und Mann im deutschen Kaiserreich. Minden 1906.
Helene Stöcker: Liebe. Roman. Berlin 1922.
Reinhold Lütgenmeier-Davin / Dr. Kerstin Wolff (Hrsg.): Helene Stöcker. Lebenserinnerungen. Köln / Weimar / Wien 2015.